Das JournalSein Wasser verstehen

Lesezeit: 6 Min.

Was trinken wir eigentlich?

Eine Wasseranalyse zu lesen braucht weder Ausbildung noch Jargon. Drei Parameterfamilien, vier Einheiten, eine Methode: das Leseraster unserer Techniker, ruhig erklärt.

Eine Wasseranalyse passt auf ein bis zwei Seiten. Parameternamen, gemessene Werte, Referenzgrenzen — und ganz unten ein Fazit. Das Dokument beeindruckt auf den ersten Blick und lässt sich lesen, sobald man weiss, wohin man schauen muss. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Halten wir zuerst fest, was dieses Blatt beschreibt: Ihr Wasser, an Ihrem Hahn, am Tag der Probenahme. Nicht jenes der Nachbargemeinde, keinen Landesdurchschnitt. Wasser ändert sich mit der Ressource, der Jahreszeit und den Leitungen, die es durchquert. Die Lektüre beginnt also mit dieser Einsicht: Man liest eine Momentaufnahme, kein endgültiges Porträt.

Woher das Wasser Ihres Hahns kommt

In der Schweiz stammt das Trinkwasser aus drei Ressourcen: Quellen, Grundwasser und Seen, in Anteilen, die von Region zu Region stark variieren [genaue Verteilung zu bestätigen]. Es wird gefasst, manchmal aufbereitet — oft nur wenig, so gut ist die Ressource — und dann unter Kontrolle bis zu Ihrem Zähler verteilt. Trinkwasser ist eines der bestkontrollierten Lebensmittel des Landes, und die Versorger publizieren ihre Resultate.

Ab dem Zähler hingegen fliesst das Wasser durch die Installationen des Gebäudes oder des Hauses: der letzte Kilometer, jener, für den niemand sonst zuständig ist als Sie. Eine am Hahn genommene Analyse erzählt den ganzen Weg — öffentliches Netz und private Installation inbegriffen. Das macht sie aussagekräftiger als ein Netzdurchschnitt.

Die drei Familien von Resultaten

Welches Labor auch immer: Ein Prüfblatt gliedert sich in drei Familien. Jede beantwortet eine andere Frage.

  • Die MineralienCalcium, Magnesium, Natrium, Kalium. Sie stammen aus den durchflossenen Gesteinen und prägen Geschmack und Härte Ihres Wassers.
  • Die RückständeNitrate, Metallspuren — manchmal aus den Leitungen im Gebäude —, Reste der Aufbereitung. Sie erzählen den Weg des Wassers bis zu Ihnen.
  • Die KomfortparameterFreies Chlor, pH, Trübung, Leitfähigkeit. Sie beschreiben das Gleichgewicht des Wassers und das Gefühl im Glas.

Keine dieser Familien ist an sich «gut» oder «schlecht». Ein stark mineralisiertes Wasser kann ausgezeichnet sein; ein sehr weiches ebenso. Was zählt, ist zu wissen, was Sie trinken — und dann zu entscheiden, nach Ihren Gewohnheiten und Ihrem Geschmack.

Vier Einheiten, die man sich aneignet

Die Einheiten machen den grössten Teil der Einschüchterung aus. Es sind nur vier, um das ganze Dokument zu lesen.

  • mg/Ldas Milligramm pro Liter: ein Tausendstel Gramm, gelöst in einem Liter Wasser. Die meisten Parameter werden so ausgedrückt.
  • µS/cmdas Mikrosiemens pro Zentimeter misst die elektrische Leitfähigkeit. Je mehr gelöste Mineralien ein Wasser enthält, desto besser leitet es den Strom: eine Gesamtzahl der Mineralisierung.
  • °fHder französische Härtegrad misst die Härte, also den Gehalt an Calcium und Magnesium. Ein Grad entspricht 10 mg/L Calciumcarbonat-Äquivalent.
  • pHdas Gleichgewicht zwischen sauer und basisch, mit 7 als neutralem Punkt. Netzwasser liegt in der Regel zwischen 6,8 und 8,2 [Referenzspanne zu bestätigen].

Was ein TDS-Messgerät misst — und was es nicht sagt

Die kleinen «TDS»-Taschenmessgeräte haben sich in den Küchen verbreitet. TDS steht für Total der gelösten Feststoffe: Das Gerät misst in Wirklichkeit die Leitfähigkeit des Wassers und rechnet sie in eine Schätzung der gesamten gelösten Masse um, ausgedrückt in mg/L.

Es ist also ein Tendenzindikator, keine Identifikation. Die Zahl addiert alles, was Strom leitet — das Calcium wie das Natrium —, ohne etwas zu unterscheiden. Ein renommiertes Mineralwasser zeigt einen hohen TDS-Wert; ein sehr reines Wasser einen tiefen. Dazwischen sagt die Zahl allein weder Zusammensetzung noch Geschmack noch Konformität. Ihren Sinn erhält sie im Vergleich: vor und nach einer Anlage, oder von einer Zapfstelle zur anderen.

Eine echte Lektüre führt über das Labor, Parameter für Parameter — der TDS-Wert steht dort, in seinen Kontext gestellt. Das Analyse-Set des Hauses folgt genau diesem Weg.

«Konform» lesen wie ein Techniker

Bleibt das Fazit des Prüfblatts: «konform». Es bedeutet, dass jeder gemessene Parameter die Höchstwerte des Schweizer Lebensmittelrechts einhält. Das ist eine gute Nachricht — und man sollte sie lesen als das, was sie ist: ein gesetzlicher Grenzwert, gedacht für die öffentliche Gesundheit.

Jenseits des Grenzwerts beginnt das Gebiet des persönlichen Anspruchs: die Härte, die zu Ihrer Kaffeemaschine passt, die Mineralität, die zu Ihrem Gaumen passt, die Feinheit, die Sie im Glas erwarten. Das ist eine Wahl, keine Sorge.

Trinkbar ist ein Grenzwert. Perfekt ist ein Anspruch.

Ein Techniker liest ein Prüfblatt also in drei Schritten: die Familien einordnen, die Einheiten übersetzen, mit den Grenzwerten vergleichen. Dann stellt er die einzige Frage, die bleibt: Was wollen Sie mit diesem Wasser? Die Antwort gehört Ihnen.

Quellen

  • Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV)BLV — Schweizerische Eidgenossenschaft. [genaue Referenz zu bestätigen]
  • Guidelines for drinking-water quality, 4. AusgabeWeltgesundheitsorganisation. [genaue Referenz zu bestätigen]
  • Informationen der Schweizer Versorger zur TrinkwasserqualitätSVGW. [genaue URL zu bestätigen]
Das Hauspubliziert am , nachgeführt am .

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